Hoffnung für Alle – wirklich?

Der Dokumentarfilm Hope For All Unsere Nahrung – unsere Hoffnung der Österreicherin Nina Messinger thematisiert die westlichen Ernährungsgewohnheiten und ihre Konsequenzen. Der 100-minütige Film startet am 12.05.2016 in den deutschen Kinos.

Der Inhalt von Messingers Botschaft ist schnell gesagt: Werdet Veganer! Alle! Jetzt sofort! Dafür behandelt sie drei große Themen: Die Gesundheit des Menschen, den Zusammenhang von moderner Landwirtschaft und Klima und zuletzt das Tierwohl.

Im ersten Teil des Filmes liegt der Fokus auf Ernährung und Gesundheit. Messinger besucht Betroffene in den USA, die wegen zu hohem Fett- oder Fleischkonsum an Fettleibigkeit oder schweren Herzkrankheiten leiden. Außerdem erzählen ehemalige Krebspatienten davon, wie sie durch eine rein pflanzliche Ernährung geheilt wurden. Prof. Dr. T. Colin Campbell stellt einen Zusammenhang zwischen verstärktem Konsum von tierischen Produkten und dem verstärkten Wachstum von Krebszellen her. Diese Theorie, die bisher vor allem von Hardcore-Veganern verbreitet wurde, findet in dem Film eine breite Plattform. Untermalt von bunten Animationen werden die Ergebnisse als Fakten dargestellt. Bestimmt ist eine ausgewogene Nahrung mit hohem Pflanzenanteil ein Faktor für eine gesunde Lebensweise. Es fällt jedoch stark auf, dass in Hope for All keine Relativierung oder Einordnung der Befunde stattfindet. Die Informationen, die weitergegeben werden, sind ganz gezielt ausgesucht, andere Meinungen oder Gegenbeispiele werden verschwiegen. Die tatsächlichen Chancen und Risiken von Nahrung als Medizin bleiben so im Unklaren.

Deutlicher wird der Film bei der Gesundheit der Umwelt. Hier sprechen die Primatenforscherin Dr. Jane Goodall und die Trägerin des Alternativen Nobelpreises Dr. Vandana Shiva über die Auswirkungen von Monokulturen oder riesigen Rinderfarmen. Neben der Abholzung von Wäldern zur Tierfuttergewinnung geht es vor allem um Wasserverbrauch. Der ist bei tierischen Produkten besonders hoch, Spitzenreiter ist Rindfleisch mit 15.500 l Wasser pro erzeugtem Kilogramm. Käse oder Hühnereier brauchen immer noch 5.000 l Wasser pro Kilo, bei einem Kilo Getreide oder Mais ist man nur noch bei gut 1.000 l. Pflanzliche Ernährung ist also deutlich wassersparender als tierische. Nicht wird erwähnt, dass Reis, der in vielen Ländern die Nahrungsgrundlage für eine vegane oder vegetarische Ernährung bildet, mit bis zu 5.000 l pro Kilogramm ähnlich viel Wasser verbraucht wie Käse oder Eier.

Der dritte Teil von Hope for All ist der längste und wohl auch der einprägsamste. Schonungslos, aber auch konsequent filmt die Kamera das Innere der Massentierhaltung: Vom Schreddern männlicher Küken über eingezwängte Legehennen und Berge von verendeten Ferkeln bis zur kalten Atmosphäre der Schlachthäuser und der routinierten, aber nicht immer reibungslosen Tötungsmaschinerie. Leichte Kost ist das nicht. Der Höhepunkt ist für mich erreicht, als männlichen Mastschweinen ohne Betäubung die Hoden aus dem Körper gerissen werden. „Sie schreien wie kleine Kinder“, sagt der ehemalige Schlachter. Stimmt. Ich kann mit jedem mitfühlen, der in diesem Moment das Kino verlassen hat.

Hope for All ist ein wichtiger Film, der an das Gewissen appelliert. Mit starken Kontrasten stellt er die jetzige Welt mit Massentierhaltung, zweifelhafter Ernährung und massiven Umweltschäden einer grüneren und augenscheinlich glücklicheren Welt voller freier Tiere und pflanzlicher Ernährung gegenüber. Die schnellen Übergänge machen betroffen, zeigen aber auch einen möglichen Weg auf, selbst in seinem Leben durch seine Ernährung etwas zu ändern. Diese Option macht Hoffnung. Gleichzeitig verschweigt der Film aber auch Informationen und berichtet nur einseitig über seine Philosophie, ohne Einordnung oder Gegenstimmen. Ohne solche Relativierung ist Hope for All mit einer gesunden Skepsis zu betrachten. Mehr Objektivität und Perspektive hätten diesem interessanten, aber auch eindringlichen Film gut getan.

Kinopremiere ist am 02. Mai um 20.00 Uhr im Rio-Filmpalast.

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