15 Mal Stadtverbesserer (25): Bertram Verhaag

192_9253

 

Er hat fünf Jahre mit Prinz Charles verbracht: Unser neuester Stadtverbesserer Bertram Verhaag. Vom Allgäu bis nach Südengland – die Dokumentationen seiner Münchner Produktionsfirma DENKmalFilm kreisen immer um umweltpolitische und soziale Themen. Für seinen circa 120. Film beobachtete Verhaag den Prinz von Wales auf der hauseigenen Farm. Die DENKmal-Dokus haben die Gründung von zahlreichen gentechnikfreien Regionen angeregt, auch in München – zweifellos macht der Regisseur die Stadt also ein bisschen grüner. Vorhang auf für unseren 25. Stadtverbesserer…

5 MAL SUSTAINABLE

1. Worum geht es bei deinem Projekt?

Ich mache schon seit über 30 Jahren Filme ausschließlich zu politischen, sozialen und Umwelt-Themen. In eigener Regie und Produktion entstanden über 120 Filme, darunter 8 fürs Kino. Dadurch konnte ich viele Menschen motivieren, sich einzusetzen für eine bessere Welt und sich dem Dogma zu widersetzen da kann man sowieso nichts machen!. Unter anderem durch meine Anti-Gentechnik-Filme wurden beispielsweise die Zivilcourage gegen Gentechnik und zahlreiche gentechnikfreie Regionen gegründet, so auch hier in München.
Derzeit plane ich einen neuen Kino-Film, der die Zerstörung durch die Gentechnik der guten nachhaltigen Landwirtschaft gegenüberstellt. Wir zeigen bewährte Projekte in Indien, Ägypten und Deutschland, die beweisen, dass die Welt sehr wohl ohne den Einsatz von Giften ausreichend ernährt werden kann. Das Gift Glyphosat beispielsweise, das die Gentec-Firma Monsanto entwickelt hat, ist schon in 70% der Bevölkerung in Deutschland nachzuweisen – obwohl es hierzulande in viel geringerem Maße verwendet wird wie in den USA oder Lateinamerika. Der Film heißt „Code of Survival oder das Ende der Gentechnik“ und soll Mut machen, anders zu denken, zu leben und zu essen.

2. Warum tust du?

Ich bin nicht einverstanden, dass die Industrie und Politik Entscheidungen trifft, ohne dass ich daran teilhaben darf. Schließlich leben wir in einer Demokratie. Die Gentechnik zum Beispiel wurde noch viel zu unzureichend erforscht, wir kennen die ganze Latte an Folgen noch garnicht – trotzdem werden gentechnisch veränderte Lebensmittel angebaut, mit Giften bespritzt und uns oder unseren Nutztieren zugemutet. Wir sind sozusagen deren Versuchskaninchen! Wissenschaftler, wie z.B. Árpád Pusztai, haben schlimme Organveränderungen an Mäusen festgestellt, die in Fütterungsversuchen gentechnisch veränderte Kartoffeln zu essen bekamen – daraufhin wurde er mundtot gemacht und aus der englischen Forschergemeinschaft ausgeschlossen! Notwendige unabhängige Wissenschaft sieht für mich anders aus! Man geht davon aus, dass 95% der Forscher auf diesem Gebiet von der Industrie bezahlt werden – und die von ihnen erwünschten Ergebnisse besorgen. Ich will mit meinen Filmen den engagierten Menschen eine Stimme geben und andere dazu ermutigen, sich einzusetzen und nicht hilflos die Arme hängen zu lassen. Wir können zusammen sehr viel erreichen!

3. Wie lang war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung?

Der Weg von einem Idee bis zum fertigen Film dauert je nach Aufwand sehr lange – bis hin zu fünf Jahren. Bei einem unserer aktuellsten Projekte über die ökologische Homefarm von Prince Charles haben wir bereits 2007 die ersten Rechercheaufnahmen gemacht und er ist gerade fertig geworden. Der steinigste Weg dabei ist die Geldbeschaffung – man benötigt Förderungen, Sponsoren, Senderbeteiligungen. Die Finanzierung eines Films mit vergleichbarem Thema ist mit den Jahren immer schwerer geworden.

Der schönste Teil der Filmproduktion ist für mich der Dreh, die besonderen Protagonisten kennen zu lernen, sie authentisch in Bildern darzustellen und ihre Begeisterung zu merken – das ist dann auch alles im Film zu spüren. Beim Schnitt findet dann nochmal ein eigener kreativer Prozess statt. Zusammen mit der Cutterin sichte ich das gesamte Material und wähle die besten Bilder und Zitate aus – so entsteht langsam die Dramaturgie des Films. Wenn die fertige DVD dann vor einem liegt, ist das schon ein tolles Gefühl!

4. Woran könnte es scheitern?

In erster Linie am Geld – wir haben vor, bei unseren neuen Film weltweit zu drehen, denn in Europa ist (zum Glück!) der Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel nur sehr eingeschränkt zulässig. Wir reisen in die USA, nach Brasilien, Argentinien, Indien, Ägypten – das kostet eine Menge Geld. Der Film soll dazu beitragen, dass Europa gentechnikfrei bleibt und der ökologische Anbau sich weiter vermehrt. Alles andere zerstört auf Dauer unseren Boden – unser wichtigstes „Überlebensmittel“.

5. Warum sollte man sich bei deinem Projekt beteiligen?

Der Film ist für alle wichtig, die essen und in Zukunft weiter essen möchten – ohne sich und die Umwelt zu vergiften. Die Firmen Monsanto, Bayer, BASF und Syngenta sind sehr einflussreich, haben einen schier unerschöpflichen Etat für Ihre Lobbyarbeit – wir dagegen sind angewiesen auf Unterstützer, denn mit unseren Themen werden wir nicht reich. Am besten kann man uns unterstützen, indem man unsere Filme kauft und möglichst viele Menschen diese wichtigen Themen sehen.

5 mal MÜNCHEN

1. München in drei Worten

Heimat, grün, Kulturhauptstadt

2. Wo ist in München für Dich die Welt immer in Ordnung?

In meinem Hinterhof auf der Terrasse unter dem blühenden Kastanienbaum! Aber natürlich auch in der Lunge Münchens, dem englischen Garten.

3. Wochenends: Dein Ausflugstipp im Münchner Umland?

Benediktbeuern: weiches Moosgras, Wasser, ein Fluss, langer Rundweg und eine Besichtigung des Klosters.

4. Wochentags: Deine drei wichtigsten Nahversorger?

Der Basic Biomarkt um die Ecke, der Thailänder Yum To Eat am Hohenzollernplatz mit Biofleisch u.a. von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten und das kleine Café Schöntag in der Herzogstraße mit tollem Eis von einem kleinen Familienunternehmen.

5. Kultur-Tipp: Was sollte man sich in München zur Zeit anschauen?

Das jährliche Dokumentarfilmfest, das Tollwood, … und wir freuen uns auch immer über Besuch!

5 mal DU

1. Was darf in Eurem Kühlschrank nicht fehlen?

frisches Gemüse, Ziegenjoghurt und Retsina

2. Welches Buch sollte jeder lesen?

Karen Duve: Anständig essen – ein Selbstversuch
Claudia Kemfert: Kampf um Strom – Mythen, Macht und Monopole
Sarah Wiener: Zukunftsmenü – Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können
Weltagrarbericht

3. Welchen Internetlink empfiehlst Du?

http://www.denkmal-film.tv natürlich und http://umweltinstitut.org/

4. Der beste Song zum Weltverbessern?

„Steh auf, wenn du am Boden bist“ von den Toten Hosen

5. Beichte: Welcher Klimasünde verfällst Du?

Ab und an brauche ich doch das Auto, außerdem habe ich ein E-Bike. Und unsere Dreharbeiten im Ausland sind ohne Flüge leider auch nicht möglich – aber es ist ja alles für eine gute Sache!

2 Kommentare zu “15 Mal Stadtverbesserer (25): Bertram Verhaag”

  1. Seibt sagt:

    Lieber Bertram,

    wir haben uns in Leipzig kennengelernt und hatten auf der gemeinsamen Rückreise nach München im ICE einige Zeit miteinander zu reden. Damals warst du mit dem Prinzen beschäftigt und hattest meine Anregung über die Gentechnik in Deutschland einen Film zu machen, abgelehnt. Ich freue mich, dass es nun dein nächstes großes Thema wird.

  2. Seibt sagt:

    schön wäre eine Zusammenarbeit mit http://www.bayerischer-oekoladen.de
    viele Grüße
    Doris Seibt

Kommentieren