Jetzt protestiert auch Schweinsteiger – und zwar mit Bällen

Der Kampf um den Bolzplatz geht weiter – neues Gutachten der Stadt sorgt für Überraschung

Der Rummel ist groß. Der Käfig, in dem sich der Bolzplatz befindet, ziemlich voll. Überall Kamerateams, Fotografen und Journalisten, die ihre Blöcke und Stifte bereits gezückt haben. Hier und da stehen noch Eltern und Erzieher herum. Dazwischen eine Schar von rund 60 Kindern, die aufgeregt hin und her rennen,  kichern, schreien und mit großen Augen auf ihren großen Star warten – Bastian Schweinsteiger hat sich angekündigt.

Im „Kampf um den Bolzplatz“ in der Blumenstraße 7 neben der Glockenbachwerkstatt will der Fußballstar vom FC Bayern auch nochmal ein Zeichen setzen. Er will zeigen, dass ihm der Erhalt des kleinen Spielplatzes im Zentrum von München und die Kinder am Herzen liegen. Ein Abriss, wie er von der Stadt München geplant und vorgesehen ist, kommt für Schweinsteiger nicht in Frage. Zumal er selbst nur ein paar Meter von dem Bolzplatz entfernt wohnt und die Nöte und Sorgen des Viertels um den Gärtnerplatz herum kennt.

„Im Oktober des vergangenen Jahres gab es ja bereits eine große Demonstration gegen den Abriss des Bolzplatzes mit Prominenten wie Mehmet Scholl, Paul Breitner und der Band „Sportfreunde Stiller“, sagt Till Hoffmann, der unter anderem Chef des Lustspielhauses sowie der Lach- und Schießgesellschaft in München ist und den Protest zusammen mit ein paar Freunden ins Rollen gebracht hat. „Bastian konnte damals nicht. Und da ihm das Schicksal der Kinder und des Bolzplatzes nicht egal ist, hat er seinen Protest mit dieser Aktion nun nachgeholt.“

Eine sehr rasante Aktion. Denn so schnell wie er kommt, ist er dann auch wieder weg, der Bastian. Der seinen Kumpel Steffen Hamann (Basketballer vom FC Bayern) mitgebracht hat. Die beiden sind  spät dran. Peter Brugger, Gitarrist der Sportfreunde Stiller steht bereits auf der kleinen, provisorisch aufgebauten Bühne, direkt vor einem der kleinen Stahltore. Über seinem Kopf ragt ein  Basketballkorb. Er singt zusammen mit den Kindern: „Mein Freund ist aus Leder“.  Mehmet Scholl ist auch gekommen, steht auf einer kleinen Mauer und verfolgt das Treiben vom Rande aus. Und plötzlich  tauchen Schweinsteiger und Hamann unbemerkt neben der Bühne auf, lauschen noch Brugger und den Kindern – und haben kurz darauf ihren Auftritt.

„Jetzt ist auch der Bastian da“, sagt Peter Brugger, „und er hat noch einen Freund mitgebracht, den Steffen Hamann.“ Sie tragen einen großen Pappkarton auf die Bühne – voll mit Fußbällen und Basketbällen. Dann schnappt sich Schweinsteiger das Mikrofon: „Hallo Kinder. Ich finde es toll, dass ihr heute alle gekommen seid. Der Steffen und ich haben auch Geschenke für euch dabei – und zwar jede Menge Bälle.“ Die sie in die Menge werfen. Bälle zum Spielen – natürlich auf dem Bolzplatz. Der einzige weit und breit in dem Viertel zwischen Viktualienmarkt, Gärtnerplatz und dem neuen Luxusmonster „The Seven“ – ein millionenschweres Bauprojekt.

„Die Demo im Oktober hat den Abriss vorerst ja nur aufgeschoben und neue Planungen bewirkt“, erklärt Hoffmann, „allein die haben noch einmal über 500.000 Euro verschlungen. Und von den sieben neuen Entwürfen, wie man das Gelände nutzen und gestalten könnte, sehen sechs einen Abriss vor.“ Einen Abriss des Bolzplatzes und des Wohnhauses direkt daneben, das der Stadt München gehört und das 15 Jahre lang einfach leer stand.

Auch dort hat Till Hoffmann prominent und laut protestiert, in dem er mit der „Goldgrund Immobilien Organisation“ in dem Gebäude eine Wohnung auf eigene Faust renoviert und Oberbürgermeister Christian Ude dazu bewegt hat, den auch hier geplanten Abriss noch einmal zu überdenken. Hoffmann: „Die insgesamt zehn Wohnungen in dem Haus in der Müllerstraße 6, gleich neben dem Bolzplatz, sollen nun doch renoviert werden.“ Dann grinst er: „Und der Hammer kam jetzt noch, in Form eines erstellten Gutachtens der Stadt. Daraus geht hervor, dass das Haus, das angeblich nicht die modernen Energiestandards erfülle und dessen Erhalt nur mit Kostenmehraufwand verbunden sei, bessere Energiewerte erzielt, als die Neubauten.“

Das dürfte Bastian Schweinsteiger und seinen großen wie kleinen Freunden gefallen. Denn damit steigen die Chancen, dass der Bolzplatz und das angrenzende Wohnhaus stehen bleiben. Dass die Kinder ihre kleine Spieloase inmitten der Großstadtwüste nicht verlieren und soziale Wohnungen schnell und ohne millionenschweren Aufwand entstehen. „Die Behörden sollten nicht immer nur planen und Geld verschleudern, sondern gerade in diesem Fall handeln“, meint Till Hoffmann, dessen Kinder selbst in den Kinderhort der Glockenbachwerkstatt gegangen sind und dort auf dem kleinen Betonplatz gebolzt und gespielt haben.

„Das gesamte Gelände ist meines Erachtens schützenswert. Es macht auch für mich keinen Sinn, für einen Abriss und Neubau sieben Millionen Euro auszugeben, um sozialen Wohnraum entstehen zu lassen, wenn man das Gleiche mit einem Bruchteil des Geldes viel schneller erreichen kann“ – und all das ohne dabei den Bolzplatz der Kinder zu zerstören.

 

Fotos: Viviana D’Angelo

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